Zum elften Mal fand die Fußwallfahrt der Kirchengemeinde statt. 25 Pilger nahmen sich diese Auszeit und machten sich für drei Tage gemeinsam auf den Weg. „Suchen und Fragen, hoffen und gehen“, so lautete das Thema der 11. Fußwallfahrt mit dem Ziel der Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen im fränkischen Bad Staffelstein, nahe Coburg. Bereits seit dem 15. Jahrhundert gehen jährlich große Wallfahrer- und Pilgergruppen den Weg nach Vierzehnheiligen. In diese Reihe, suchender, fragender, hoffender Menschen, so Diakon Reinhold Konle, möchte sich unsere Gruppe mit den Fragen und Hoffnungen unserer Zeit einreihen.

Dem Pilgersegen durch Pfarrer Zbigniew Wojcik in der Pfarrkirche folgte dann mit drei Kleinbussen die Anfahrt zum Startpunkt der Fußwallfahrt nach Autenhausen.

Dort angekommen erhielten die Teilnehmer Pilgerheft, Pilgerpost und Pilgeranhänger. Nach einem Impuls in der Kirche St. Sebastian, wurde die 1. Wegstrecke mit Liedern, Gebeten und in Stille zurück gelegt. Auf gut befestigten Wegen war nach 8 km die erste Wegstrecke bewältigt und das mittelalterliche Städtchen Seßlach erreicht.

Die Stadt liegt eingebettet in die sanfte Hügellandschaft des Coburger Landes und ist geprägt von ihrem mittelalterlichen Charakter. Wegen ihres vollständig erhaltenen Stadtkerns wird das Städtchen mit seinen verwinkelten Gassen, den drei Stadttoren und den alten Fachwerkhäusern auch als ‚“oberfränkisches Rothenburg“ bezeichnet und war Drehort für die Filme „Luther“ und „Räuber Hotzenplotz“.

Quartier bezogen die Antrifttaler Pilger in der Sporthalle Seßlach. Schlafsäcke, Luftmatratzen und Gepäck wurden durch die Begleitfahrzeuge zu den Übernachtungsquartieren transportiert. Jeweils am Abend ließ Diakon Reinhold Konle den Tag Revue passieren. Brachte die jeweiligen bibl. Texte, Reise- und Pilgergeschichte, Vertrauensgeschichte und Hoffnungsgeschichte,  mit Impulsen zum Alltag zu Gehör, was diese drei Tage für die Teilnehmer auch zu einer spirituellen Reise werden ließ. Nach diesen abendlichen Impulsen klang jeder Tag mit einem gemütlichen Essen und einer Gute-Nacht-Geschichte aus.

Wecken und Aufstehen, wie beim Pilgern üblich, war jeweils zeitig. Dann hieß es Schlafsäcke, Luftmatratzen und Gepäck wieder in die Busse verladen und beim aufkommenden Morgenlicht versammelten sich die Pilger zum Morgenlob im Freien.

Am zweiten Tag  führte der ca. 20 km lange Fußweg weiter Richtung Vierzehnheilgen. Gebete, Lieder, Impulse der Pilgerpost und mächtige Holzskulpturen waren die Begleiter auf dem Weg.

 

Im Rahmen eines internationalen Bildhauersymposiums, das 2010 in Seßlach stattgefunden hat, haben 20  Künstler aus ganz Europa Erfahrungen und Gedanken der Pilger und Wallfahrer mit beeindruckenden Großskulpturen zum Ausdruck gebracht. Hoffnung, Ängste, Sonne, Regen, Alleinsein, Loslassen oder zur Ruhe kommen. All das findet sich in den mächtigen Holzskulpturen, die den Weg bis Vierzehnheiligen säumen, wieder.

Station machte die Gruppe im Kloster Banz bei einer gemütlichen Pause in der Klosterschänke und dem Besuch der Stiftskirche.

Die ehemalige Benediktinerabtei Kloster Banz liegt weithin sichtbar auf dem Banzberg hoch oberhalb des Maintals in Oberfranken. Der Legende nach stiftete Gräfin  Alberada die stark befestigte Burg 1069 zur Gründung eines Benediktinerklosters. Ein Feuer im Jahr 1505 ließ Banz bis auf die Grundmauern abbrennen. Erst mit der Gegenreformation gewann die Benediktinerabtei wieder an geistiger und kultureller Zugkraft. In Banz entstand eine vollkommen neue, von Leonhard Dientzenhofer im barocken Stil errichtete Klosteranlage. 1719 konnte das Herzstück der Anlage, die Stiftskirche, geweiht werden. Im Jahr 1979 kaufte die Hanns- Seidel Stiftung Kloster Banz und restaurierte die Gebäude. Seit 1983 ist Kloster Banz Bildungszentrum für politische Erwachsenenbildung.

Die zweite Station zur Übernachtung fand die Pilgergruppe in Reundorf, in der Maintalhalle.  Die kleine Kirche des Ortes überraschte mit ihren Fenstern und dem Altarraum, die von einem Einheimischen, der durch eine Kriegsverletzung körperlich behindert war, geschaffen wurden.

Am Sonntagmorgen stand dann nach dem Morgenlob und dem Frühstück die letzte Etappe des Pilgerwegs nach Vierzehnheiligen an. Nach gut 6 km Fußweg erreichte die Gruppe die Wallfahrtsbasilika.

 

Neben der Pilgergruppe aus Antrifttal waren weitere Pilgergruppen eingetroffen. Alle Gruppen wurden mit einem Segen begrüßt, willkommen geheißen und in das beeindruckende Gotteshaus geführt.

Die Pilgergruppe nahm dann an der Orchestermesse zur Kirchweih der Wallfahrtsbasilika teil.

Wenn Steine beginnen zu reden, dann haben sie viel zu erzählen, so der Rektor der Basilika am Kirchweihsonntag in Vierzehnheiligen: Pater Heribert Arens ließ in seiner Ansprache das  Bauwerk selbst zu Wort kommen und zog damit die Zuhörer in seinen Bann und einmal mehr wurde die besondere Atmosphäre dieses Ortes spürbar. Am 14. September 1772 wurde die Kirche vom Bamberger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim geweiht. Der Franziskaner ließ die Gläubigen beim Festgottesdienst aufhorchen: „Wer behauptet da, Steine könnten nicht reden? Man muss nur genau zuhören, dann versteht man ihren steinigen Akzent“.

„Wir sind dem Baumeister Balthasar Neumann dankbar, dass er sich um die spirituelle Mitte des Gotteshauses viele Gedanken gemacht hat“, übersetzte Pater Heribert die steinigen Worte. Dankbar waren sie den Stuckateuren von Wessobrunn für das Make-Up, der wunderschöne Stuck sei eine Botschaft an die Pilger. Die Nothelfer zeigten sich lebendig am Gnadenaltar. Dem Kirchenmaler Giuseppe Appiani zollten die Steine Respekt. Er habe durch seine Fresken zum Ausdruck gebracht, dass Jesus die Mitte ist. Dadurch wurde die Basilika zur Weihnachtskirche.

Dann beschrieb der Pater mit den Worten der Steine den Geist des Gotteshauses, das seit 245 Jahren immer wieder gefüllt ist.  Abertausende von Pilgern kommen nach langen Wegen erschöpft und glücklich an, einige mit Tränen in den Augen.  Am glücklichsten sind die Steine, so Arens, wenn Menschen beten und Gott feiern: „Dann wissen wir, was wir sind – ein Gotteshaus“.

Das Hochamt zum Kirchweihfest wurde mitgestaltet vom Basilika-Chor und Orchester der Basilika Gößweinstein unter der Leitung von Regionalkantor Georg Schäffner. Zur Aufführung kam Mozarts „Missa Brevis“ in C-dur KV 220 – die sogenannte Spatzenmesse.  Die dargebotene Ausführung des Konzerts  fügte sich  harmonisch in den Festgottesdienst ein.

Die Mitfeier dieses Gottesdienstes bildete einen nachhaltigen Eindruck, der diese drei Tage, die unter dem Thema „Suchen und Fragen, hoffen und gehen“ standen, abrundete.. Für alle Mitglieder der Pfarrgemeinde, besonders die Alten und Kranken, allen die eine Gebetsbitte mit auf den Weg gegeben hatten und die Teilnehmer der  Pilgergruppe wurde eine Kerze zum Abbrennen in der Wallfahrtsbasiilka hinterlegt.

 

Nach einer gemütlichen Mittagspause und regem Austausch der Erlebnisse wurde die Rückfahrt angetreten. In der Heimatkirche St. Michael endete die 11. Fußwallfahrt mit einem Gebet, und dem Segen.

 

 

Reinhold Konle